Verfasst am 30.06.2008 13:55:44 Uhr Ben Becker liest den Seewolf auf der Kieler Woche Der Seewolf ist ja eigentlich eine Geschichte von Jack London. Gelesen haben sie allerdings trotzdem wohl nur die wenigsten. Die meisten, vorzugsweise männlichen Geschlechts, kennen sie durch die ausgesprochen gelungene TV-Verfilmung mit Raimund "Kartoffelquetscher" Harmstorf.
Sehr erfreut war ich daher auch, dass sich Ben Becker anstrebte, anläßlich zur Kieler Woche, eine Lesung "szenische Performance mit der Zero Tolerance Band" darzubieten. Nicht nur die Geschichte, sondern auch die ausgesprochen nette Bühne auf der Krusenkoppel (leider habe nur ein halbwegs brauchbares Foto gefunden), ließen mich mit Leichtigkeit den für die Kieler Woche untypischen Obolus entrichten, der sich, angeblich mangels Sponsoren, mittlerweile von "billig" (5 €) zu "preiswert" (16,50 €) gemausert hat.
Immerhin ist es, dank Ben Becker, relativ einfach, auch weibliche Zuschauer für dieses Thema zu gewinnen und dementsprechend gut gefüllt zeigte sich die Krusenkoppel.
Das Bühnenbild wurde durch allerlei maritimes Brimborium angemessen gestaltet und Becker laß die Figuren mit unterschiedlichen Stimmen. Zur Lesung kamen noch unterstützende Sound- und vereinzelte Schauspieleinlagen und dann und wann wurde gesungen.
Die Auswahl und das Lesen der Textpassagen hat mir sehr gut gefallen, die Geschichte übt auf mich große Faszination aus, die Becker sehr gut rüber brachte. Das ganze Drumherum war allerdings mehr eine Hommage an die TV-Verfilmung und vermochte kaum zünden: Es war zwar bei weitem nicht kitschig, aber immer kurz vor der ironischen Brechung der Geschichte, ohne allerdings den Rahmen der harmlosen Gefälligkeit jemals zu verlassen und damit letztendlich auch belanglos. Interessierte können daher, was die Geschichte angeht, auch getrost zur Hörbuch CD greifen.
Und Ben Beckers Performace? Sehr routiniert und sichtlich mit Spaß bei der Sache, überbrückte er gekonnt kleine Pannen und reagierte professionell auf akkustische Störelemente, wie sie bei einer open air Veranstaltung gerne mal auftreten.
Wenn er allerdings anfängt, sich mit seinem kleinen Bäuchlein lasziv zu bewegen, mit dem Hintern wackelt und dann auch noch singt, so drängt sich eine Schlussfolgerung geradezu zwanghaft in mein Hirn:
Ben Becker ist der deutsche William Shatner! 
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