Gehirnkoteletts
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Verfasst am 18.01.2009 22:24:38 Uhr Zeitungszeugen mundtot machen Ich habe mir gerade ein Exemplar der "Zeitungszeugen" gekauft und bin ziemlich beeindruckt. Einzelne Texte aus damaligen Zeitungen hat man vielleicht schon mal in Geschichtsbücher gelesen, aber im Originalkontext mit all den anderen, im geschichtlichen Sinne vermeintlich unwichtigen Artikeln (nach dem Motto "was sonst noch geschah" ), bekommt man eine mit bis dato unbekannte Vorstellung über den damaligen Zeitgeist.
Die Auswahl der Zeitungen zur Machtergreifung ermöglicht ein sehr differenziertes Bild der damaligen Presse- bzw. Propagandalandschaft und selbst auf den eher knapp gehaltenen Kommentarseiten finden sich noch weitere hochinteressante Informationen. Als Bonus gibt es dann noch ein reißerisches Vorwärts-Plakat.
In meinen Augen ein sehr gut recherchiertes Projekt und eine echte Bereicherung für meinen geistigen Horizont.
Aber, wie sollte es auch anders sein, ist Informationsfreiheit nichts für Leute die Killerspiele verbieten, Daten auf Vorrat speichern oder Schnittstellen für die Internetzensur einrichten möchten. Sofort melden sich die Bedenkenträger, dass der gemeine Pöbel das Volk unbeaufsichtigt nichts mit derartigen Medieninhalten anfangen kann und die Möglichkeit des Mißbrauchs eine Gefahr für die Vollkasko-Gesellschaft bedeutet. Zum "Glück" benötigt es diesmal noch nicht einmal den Anschein einer Argumentation: Es langt, die Keule des Copyright-Adels auszupacken und mal eben als "Rechteinhaber" dieser Zeitungen den Vertrieb zu verbieten und gar die Einziehung der bereits ausgelieferten Exemplare zu fordern. Warum nun ausgerechnet diese Rechte beim bayrischen Finanzministerium liegen, darüber dürfen sich nun alle Schelme der Republik ihre Gedanken machen.
Die Macher der "Zeitungszeugen" wollen sich glücklicherweise nicht entmutigen lassen und das Projekt weiterführen. Meine Unterstützung ist ihnen auf jeden Fall sicher. Und die Zensoren sollten sich vor dem Zahn der Zeit in Acht nehmen, denn der nagt unerbittlich an Ihrer Strategie der Informationskontrolle: So wird zum Beispiel am 31.12.2015 das Buch "Mein Kampf" gemeinfrei und kann dann von jedermann nachgedruckt werden. Vielleicht kapieren sie dann, dass kommentierte Ausgaben der Nazi-Propaganda wesentlich sinnvoller sind, als unkommentierter Wildwuchs.
Aber ehrlich gesagt glaube ich das nicht. 
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