Gehirnkoteletts
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Verfasst am 17.09.2009 22:56:11 Uhr Inglourious Basterds (Filmkritik) Der Trailer von Inglourious Basterds sah schon recht interessant aus, dazu die üblichen "Anpassungen" an den deutschen Geschmack sowie ein paar Gerüchte über eine gekürzte Fassung und schon ist Quentin Tarantino wieder in aller Munde.
Ich selbst hatte aber ein ungutes Gefühl, erwartete einen ironisch-pointierten Nazi-Zersplatter-Film mittlerer Qualität und war dementsprechend nicht besonders gespannt auf die Veröffentlichung.
Das Cinemaxx erwies sich leider als wenig hilfreich. Auch wenn jetzt jede Woche eine Originalversion läuft, so wird diese definitiv nicht anhand des Erfolgs eines Filmes ausgewählt. Nein, es scheint eher eine Mischung aus Geiz und vermeintlicher Promotion zu sein: "Wenn Leute unbedingt Originalversionen sehen wollen, dann zeigen wir am besten die Filme, die ohnehin niemand sehen will und stützen so unser Backprogramm". So oder ähnlich könnte das Motto lauten, zumindest würde es erklären, dass statt "Inglourious Basterds" lieber solche Sachen wie "Selbst ist die Braut", "Public Enemies" oder "Julie & Julia" gezeigt werden. Ich kapitulierte vor soviel Mittelklasse und ging also zähneknirschend in die deutsche Version.
Der Film spielt zur Zeit des zweiten Weltkrieg im von den Deutschen besetzten Teil Frankreichs und ist im Prinzip eine Dreiecksgeschichte.
Zunächst ist da der Standartenführer Hans Landa genannt der "Judenjäger", der mit Charme und detektivischen Geschick seiner Aufgabe skrupellos nachkommt. Dann ist da Shosanna Dreyfus, die es schafte einer Aktion von Landa zu entkommen und nun ein Kino in Paris betreibt. Zu guter Letzt gibt es dann noch die "Basterds", eine Gruppe von Kämpfern hinter den Linien, die vor allem das Ziel hat, möglichst viele Nazis möglichst grausam umzubringen. Doch genug verraten.
Tarantino ist hier ein ganz großer Wurf gelungen. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit schaft er es die Mittel des exploitativen B-Films zum anspruchsvollem Gesamtkunstwerk zu verschmelzen. Er bedient sich sinnlos-lächerlicher Handlungselemente, erfindet Filmzitate geradezu neu und hat den Mut, für die Handlung notwendige Informationen vollkommen un-filmisch (aber zeitsparend) zu liefern. In dieser aufgelösten Form kann dann Geschichte geschrieben oder besser gesagt umgeschrieben werden. Die Story ist dabei trotzdem exakt konstruiert und alle Stränge laufen mit der Präzision eines Uhrwerks zusammen.
Auch die Besetzung kann nahezu als perfekt bezeichnet werden, die Schauspieler der Hauptfiguren passen zu Ihren Charakteren wie der sprichwörtliche "Arsch auf Eimer" und Tarantino holt das letzte aus seinen Darstellern heraus. Zusätzlich lässt er die Figuren relativ modern in ihrer historischen Welt agieren, mit dem Effekt, dass sie so erschreckend vorstellbar werden, viel realer als bei zeitgemäßen Inszenierungen. Insbesondere Christoph Waltz als "Judenjäger" macht seine Sache derart gut, dass er eine Oscar-Nominierung mehr als verdient hätte.
Ich könnte noch lange über die Liebe zum Detail schwärmen. Sei es die amüsant dumm-dreiste Brutalität der Basterds, die sehr pointierten Seitenhiebe auf dilletantische Propagandafilme oder die plumpen Obszönitäten über die Nazi-Führungsriege. Inglourious Basterds funktioniert auf sehr vielen Ebenen. Es ist das Werk eines Cineasten und ein Meisterwerk für die Cineasten, deren Liebe zum Kino weiter geht als Glanz und Glamour. Müsste ich den Film in einem Satz beschreiben, so würde ich sagen er sei "die Vereinigung von Pulp Fiction und Death Proof zu einem Kriegsfilm von Sergio Leone".
Ganz ganz großes Kino und deshalb heißt es folgerichtig 10 Punkte für die IMDb und natürlich
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